Wie funktionieren Spiegelneurone? Die biologische Grundlage von Intuition und Nachahmung
Spiegelneurone sind Nervenzellen, die im Gehirn während der Betrachtung eines Vorgangs die gleichen Reaktionen in den Nervenzellen auslösen, wie sie entstehen würden, wenn dieser Vorgang nicht bloß passiv betrachtet sondern aktiv gestaltet würde.

In den letzten Jahren hat die Entdeckung dieser Zellen und ihrer Funktion viel Aufsehen erregt, weil diskutiert wird, ob mit den Spiegelzellen der Schlüssel für das Verständnis von Empathie, Sprache und darüber hinaus für die Kultur gefunden worden sei. Autismus-Symptome werden von einigen Forschern mit einem unzureichenden Funktionieren der Spiegelneuronen in Verbindung gebracht.

SÜDWESTRUNDFUNK SWR2 AULA bietet den Mitschnitt einer Sendung mit
Professor Joachim Bauer, Freiburg an, der spannende Aspekte dieser Gehirnstruktur erklärt.

Hier finden Sie einen Link, der die Sendung des SÜDWESTRUNDFUNK SWR2 AULA direkt an Ihrem Computer abspielt. Eine schriftliche Version der Sendung erhalten Sie mit einem Rechtsklick auf diesen Link.

Was sind Spiegelneuronen? - Im Folgenden lesen sie einen Artikel aus gesundheit.de
zweisamkeit

Fällt ein Kind hin und schlägt das Knie auf, leiden die Eltern mit und fühlen oft sogar den Schmerz. Begegnen wir einem Menschen im Bus, der uns kurz anlächelt, lässt uns dies spontan zurücklächeln und kann uns manchmal den ganzen Tag in gute Stimmung versetzen. Die Frage ist nun: Warum können wir ganz intuitiv mitfühlen bzw. uns vorstellen, was in einem anderen Menschen vorgeht?

Sensationelle Entdeckung
Die Erklärung dieser Phänomene liegt in den erst kürzlich von Wissenschaftlern entdeckten Spiegelneuronen. Das ist ein weit verzweigtes System von speziellen Nervenzellen in unserem Gehirn. Diese Nervenzellen werden durch die Gegenwart anderer Menschen aktiviert und rufen sozusagen spiegelbildlich die Gefühle oder Körperzustände des anderen in uns wach. Spiegelneurone sind somit die neurobiologische Basis für unser intuitives Wissen und das Verständnis dessen, was andere Menschen fühlen. Sie melden uns, was Menschen in unserer Nähe fühlen, und lassen uns deren Freude oder Schmerz mitempfinden. Deshalb ist Lachen so ansteckend, umgekehrt aber auch eine gedrückte Stimmung.

Lernen und Wissen
Schon sehr früh imitieren Babys Gestik und Mimik der Eltern. Das Gesicht von Vater und Mutter ist - vom Blinzeln bis zum Grimassen schneiden - wie ein Spiegel für die Verhaltensweisen des Kindes. Die Forscher nennen dieses Verhalten, das in jedem von uns verankert ist, Resonanzverhalten. Möglich macht dies die jetzt entdeckten Spiegelneurone. Solche ausgelöste Resonanzreaktionen haben jedoch nicht nur psychologische, sondern auch biologische Effekte, denn alle Erfahrungen, die wir in unserer Umwelt machen werden vom Gehirn in biologische Signale verwandelt. Durch diese Signale verändern sich nicht nur die Nervenzell-Verschaltungen des Gehirns, es verändert sich unser Körper insgesamt. Was wir erleben, was uns von Anderen widerfährt, beeinflusst und verändert uns – seelisch und auch körperlich.

Praktische Anwendung
Praktische Anwendung finden die Spiegelungsphänomene bei der Aufnahme und Weitergabe von Wissen, zum Beispiel für das Verständnis kindlichen Lernens. Aber auch in der Medizin gibt es Beispiele. So können Schlaganfallpatienten mit Lähmungen an den Extremitäten ganz offensichtlich durch Beobachten von Arm- oder Beinbewegungen das Wiedererlernen von verlorenen Fertigkeiten beschleunigen.

Copyright © gesundheit.de 2007