| zitiert aus: aerzteblatt.de |
13. Juni 2007 |
Winnipeg - Kinder, die
im ersten Lebensjahr mit Antibiotika behandelt wurden, erkranken
später häufiger an Asthma. Dies zeigt eine Longitudinalstudie in
Chest (2007; doi:10.1378/chest.06-3008), die erneut die
Hygienehypothese stützt.
Die von dem Briten David Strachan 1989
aufgestellte Hygienehypothese besagt, dass der fehlende Kontakt von
Kleinkindern mit den Antigenen von Krankheitserregern die
Empfänglichkeit für allergische Erkrankungen wie Asthma steigert.
Eine übertriebene Hygiene und der fehlende Kontakt zu Haustieren
gelten als mögliche Ursache. Ebenso der häufige Einsatz von
Antibiotika, die vor allem zur Behandlung der Otitis media, aber
auch von Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Im kanadischen
Gliedstaat Manitoba erhalten 65 Prozent aller Kinder im ersten
Lebensjahr Antibiotika. Viele dieser Kinder waren im Alter von
sieben Jahren asthmatisch, wie Anita Kozyrskyj von der Universität
Winnipeg berichtet. Die Assoziation muss nicht kausal sein, da die
Atemwegserkrankungen ja auch eine erste Manifestation des Asthmas
sein können. Die Pädiaterin kann in ihrer Studie, die 13.116 Kinder
von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr verfolgte, eine
Assoziation jedoch auch für den seltenen Einsatz von Antibiotika
für nicht respiratorische Erkrankungen nachweisen. Diese
Assoziation war mit einer Odds Ratio von 1,86 hier sogar besonders
stark ausgeprägt. Diese Kinder erkrankten damit fast doppelt so
häufig an Asthma wie Kinder, die im ersten Lebensjahr keine
Antibiotika erhalten hatten.
Ein zweifach erhöhtes Risiko hatten
auch Kinder, deren Mütter kein Asthma hatten (die also vermutlich
ohne genetische Belastung waren). Einen ähnlich ausgeprägten
Einfluss hatte die Abwesenheit eines Hundes (als möglicher
Keimträger) in der Familie im ersten kritischen Lebensjahr bei
Kindern, die gleich mehrfach Antibiotika erhalten hatten. Nach
Ansicht des American College of Chest Physicians sollten Eltern
diese Nachteile bedenken, wenn sie die Verordnung von Antibiotika
wünschen, die angesichts der hohen Verordnungszahlen kaum in allen
Fällen gerechtfertigt sein dürfte. ©
rme/aerzteblatt.de
Links zum
Thema
Abstract der Studie in Chest
http://www.chestjournal.org/cgi/content/abstract/chest.06-3008v1
Pressemitteilung des American College of Chest
Physicians
http://www.chestnet.org/about/press/releases/2007/061107_1.php
Hygienehypothese
http://www.pubmedcentral.nih.gov/picrender.fcgi?artid=1838109&blobtype=pdf
© Deutsches
Ärzteblatt / Deutscher Ärzte-Verlag ![]()
