Antibiotika bei Bronchitis ohne großen Nutzen
PillenpackungSOUTHAMPTON. Die Bronchitis gehört zu den häufigsten Anwendungsgebieten für Antibiotika. Oft erfolgt die Verordnung auf Wunsch der Patienten oder aus der Sorge des Arztes heraus, er könnte eine sich entwickelnde Lungenentzündung übersehen. Wichtige Gegenargumente liefert eine randomisierte Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2005; 293: 3029-3035).
In den USA werden 55 Prozent aller Antibiotikarezepte für die Behandlung von Pharyngitis und akuter Bronchitis ausgestellt, heißt es in der Pressemitteilung von JAMA. Dadurch entstünden Kosten von 726 Millionen Dollar. Sie könnten großenteils eingespart werden, wenn die Ärzte sich und ihre Patienten davon überzeugen würden, dass eine „Erkältung“ medizinisch gesehen kein Grund für Antibiotika ist und der Husten durch diese Medikamente in der Regel auch nicht schneller verschwindet als bei einer rein symptomatischen Behandlung.

Genau zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte kontrollierte Studie von Paul Little von der Universität Southampton in England. 807 Hausarztpatienten wurden auf drei Strategien verteilt: keine Antibiotikabehandlung, verzögerte Antibiotikabehandlung oder sofortige Antibiotikabehandlung. In einer zweiten Randomisierung wurden die gleichen Patienten noch einmal in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen erhielten einen Flyer mit Hinweisen zur Erkrankung, bei den anderen erfolgte nur eine mündliche Beratung des Arztes. Um das zweite Ergebnis vorwegzunehmen: Das Austeilen von vorgedruckten Informationen konnte das ausführliche Arztgespräch nicht ersetzen. Der Arzt müsste also im Gespräch versuchen, seine Patienten von einer antibiotikafreien Therapie zu überzeugen.

Von den Patienten, die Antibiotika zur sofortigen Therapie erhielten, nahmen 96 Prozent die Medikamente ein. Bei der verzögerten Verschreibung waren es 20 Prozent, und von den Patienten, die zunächst ohne Rezept nach Hause geschickt worden waren, erhielten 16 Prozent später doch noch Antibiotika.

Weder die sofortige, noch die verzögerte Antibiotika-Gabe hatte einen relevanten Einfluss auf die Dauer des „Hustens“ noch eines anderen Symptoms, auch wenn mehr Patienten später angaben, die Antibiotika hätten ihnen geholfen.

Mark Ebell von der Michigan State University in East Lansing weist im Editorial darauf hin, dass selbst Patienten mit leichtem Fieber oder grün gefärbten Sputum nicht unbedingt Vorteile von der Antibiotikatherapie hatten (JAMA 2005; 293: 3062-3064). Die Ärzte sollten deshalb, so Ebell, den Mut haben, ihren Patienten zu erklären, dass eine akute Bronchitis in der Regel drei Wochen dauert, ob mit oder ohne Antibiotika. Wenn die Patienten dennoch auf einer Verschreibung beharrten, sollten sie zumindest zu einem zeitlich verzögerten Behandlungsbeginn aufgefordert werden.

Die Ärzte sollten außerdem andere Möglichkeiten einer Symptombesserung nutzen, meint Ebell. Schließlich müssten die Patienten über die Möglichkeit einer beginnenden Pneumonie informiert werden. Sie sollten deshalb den Arzt erneut aufsuchen, falls die Symptome sich verschlechterten. /rme Links zum Thema

Abstract der Studie im JAMA

Pressemitteilung von JAMA