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Die beste Seite zur Entscheidung über Impfen:
Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.

Die Impffrage

Zitiert aus:
Martin Hirte, “Impfen Pro & Contra - Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung”.
Droemersche Verlagsanstalt, München 2001

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Spätestens mit dem dritten Lebensmonat ihres Kindes werden Eltern mit der Impffrage konfrontiert: Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt ab der neunten Lebenswoche einen Impfkalender mit neun Impfstoffen, die in bestimmten Abständen und Kombinationen mehrfach verabreicht werden sollen. Bis zum fünfzehnten Lebensmonat summiert sich das auf bis zu 27 Einzelimpfstoffe. In den Impfempfehlungen schlägt sich das Interesse des Staates und auch überstaatlicher Organisation wie der WHO an möglichst breit akzeptierten Impfungen nieder.

Diese Politik verfolgt in erster Linie epidemiologische und ökonomische Ziele: die Ausrottung von weltweit verbreiteten Krankheiten, die Vermeidung von statistisch zu erwartenden Todesfällen und Krankheitskomplikationen, das Wegimpfen von Krankheiten, die im Vergleich mit den Impfkosten zu erhöhten Kosten im Gesundheitssektor und im sozialen Bereich führen – gemäß so genannter »Kosten-Nutzen-Analysen« –, und den Schutz der Allgemeinheit vor Seuchen durch Schaffung einer »Herdimmunität« in der Bevölkerung. Das heißt, durch die Impfung eines Großteils der Bevölkerung sinkt auch für die Ungeimpften die Erkrankungswahrscheinlichkeit. Werkzeug zur Durchsetzung dieser Ziele sind Massenimpfungen. Die Vorbedingungen dafür sind die Zulassung von Impfstoffen, die öffentlichen Impfempfehlungen und die gezielte Überzeugungsarbeit in den Massenmedien – in jüngster Zeit zunehmend auch mit sachlich unrichtigen, propagandistischen Behauptungen.

Die öffentlichen Interessen decken sich jedoch nur teilweise mit den Interessen des Einzelnen. Dem geht es in erster Linie um eine möglichst gute Lebensqualität, den Eltern eben hauptsächlich darum, dass ihre Kinder von Krankheits- oder Impfkomplikationen verschont bleiben, sich seelisch, geistig und körperlich gut entwickeln und ohne bleibende Schäden groß werden.

Es ist eine Glaubens- und Gewissensfrage, ob man sich unter diesen Umständen abstrakten gesellschaftlichen Zielen wie Krankheitsausrottung und Kostenvermeidung unterordnen will – man könnte ja im Extremfall auch durch eine Impfung zu Schaden kommen oder sich durch die Vermeidung bestimmter Krankheiten andere, schwerwiegendere Leiden zuziehen. Zwar drohen auch durch Krankheiten körperliche Schäden, Behinderungen oder im Extremfall sogar der Tod. Doch selbst wenn man die Risiken von Krankheit oder Impfung exakt beziffern könnte – umfassende und korrekte Erhebungen und Statistiken vorausgesetzt –, wäre damit noch nichts über die konkrete Gefährdung des Individuums ausgesagt.

Dieses Dilemma führt zu dem berechtigten Interesse des Einzelnen, in Fragen der eigenen Gesundheit ein Selbstbestimmungsrecht ausüben zu dürfen. Nachdem es seit Aufhebung der Pockenpflichtimpfung 1982 in Deutschland – im Gegensatz etwa zu Italien oder den USA – keine Impfpflicht mehr gibt, liegt heute die Entscheidung über Impfungen korrekterweise beim Einzelnen, im Fall von Kindern bei ihren Eltern.

Die Impfentscheidung muss – bei den Unsicherheiten, die in diesem Bereich immer vorhanden sein werden – letztlich eine intuitive Entscheidung sein. Sie ist von einem »rationalen« wissenschaftlichen Standpunkt aus nur bedingt angreifbar. Schließlich werden wichtige Fragen wie die positiven Auswirkungen von Krankheiten auf die Lebensqualität wissenschaftlich kaum untersucht, ja sie sind mit wissenschaftlichen Methoden auch höchstens ansatzweise zu untersuchen, da wesentliche Kriterien wie beispielsweise körperliches Wohlbefinden, Persönlichkeitsentwicklung oder Selbstbewusstsein nicht in Zahlen ausdrückbar sind.

Mehr und mehr werden nun in den letzten Jahren die Eltern bedrängt, die empfohlenen Impfungen auch wirklich durchführen zu lassen. Medienberichte oder Handzettel über die Gefahren von Krankheiten und den Nutzen von Impfungen rücken die Impfungen in ein einseitig positives Licht – zum Teil sind diese Veröffentlichungen durch die pharmazeutische Industrie lanciert, zum Teil stammen sie aus dem Bemühen der Gesundheitsbehörden, die so genannte »Impfmüdigkeit« zu bekämpfen. Die Argumente und die angeführten Statistiken sind oft vereinfachend, einseitig oder fehlerhaft überzeichnet. Sie sollen ja möglichst zwingend die Gefahren der jeweiligen Krankheit und den Nutzen der jeweiligen Impfung in den Blickpunkt rücken.

Wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit ist es, bei den Eltern Angst zu erzeugen und dadurch die Impfmotivation zu stärken. Ein ganzer Forschungszweig beschäftigt sich mit der Frage, welches »Angstniveau« erzeugt werden muss, um möglichst überzeugend zu wirken (Renner 1997). So genannte »Furchtappelle« sind zum Bestandteil der Impfaufklärung geworden. Die bewusste Auseinandersetzung mit den Themen Vorbeugung und Impfung, Krankheit und Sterben, mit dem Sinn des Lebens überhaupt wird auf diese Weise blockiert, die Menschen werden entmündigt, ihre Gesundheit wird abstrakten Zielen untergeordnet. Der Schweizer Psychoanalytiker Franz Renggli vermutet gar, dass solche bewusst erzeugten Ängste zusammen mit den zunehmenden Angst- und Schreckensmeldungen durch immer häufigere ökologische und soziale Katastrophen irgendwann das Abwehrgefüge eines Menschen überfordern und zum Zusammenbruch des Immunsystems führen könnten (Renggli 1992).

Eine zentrale Funktion im Spannungsfeld der Impfentscheidung hat die Wissenschaft. Abhängig von Geldgebern im öffentlichen und vor allem privaten Bereich, verfolgt sie vorrangig deren Interessen. Forschungsziel ist es in erster Linie, in möglichst kurzer Zeit die Wirksamkeit und Sicherheit einzelner Impfmaßnahmen zu belegen. Als Wirksamkeitsnachweis begnügt man sich daher in der Regel mit Antikörperbestimmungen vor und nach der Impfmaßnahme, bei der Sicherheitsbeurteilung mit der Beobachtung eines kurzen Zeitraumes – Tage bis höchstens wenige Wochen nach der Impfung.

Kaum eine Studie vergleicht geimpfte mit ungeimpften Gruppen, bei kaum einer Studie geht es um weiterreichende Kriterien wie Lebensqualität, Lebensdauer, seelische Gesundheit oder Häufigkeit chronischer oder bösartiger Erkrankungen bei Geimpften und Ungeimpften. Eine Ahnung von möglichen Erkenntnissen bei umfassenderen Untersuchungskriterien vermittelt eine überraschende Untersuchung aus Finnland: Sie zeigt, dass seit Einführung der Masernimpfung die Masern-Enzephalitis zwar nahezu verschwunden ist, durch Zunahme anderer Erreger die Häufigkeit der Gehirnentzündungen insgesamt jedoch gleich geblieben ist (Koskiniemi 1997). Auch die Zunahme von schwe- ren Pneumokokken-Infektionen seit Einführung der Impfung gegen Hib-Bakterien zeigt, dass wir beim Versuch, Krankheiten zu verhindern, vor Überraschungen nicht gefeit sind. Das Ökologische Gleichgewicht zwischen dem menschlichen Organismus und Krankheiten war bisher noch nicht Forschungsobjekt. Der Schweizer Kinderarzt und Impfskeptiker Hans Ulrich Albonico fordert, massive Eingriffe in dieses Gleichgewicht, wie es Massenimpfungen darstellen, sorgfältig auf ihre »Nachhaltigkeit« zu untersuchen – also auf mögliche negative Folgen für künftige Generationen (Albonico 1998b).

Bei der Überlegung, welche Impfungen sie ihrem Kind geben lassen sollen, sehen sich viele Eltern Kinderärzten gegenüber, die keine Zeit und oft auch keine Motivation haben, sich mit ihnen in Impffragen länger auseinander zu setzen: Die Vergütung der Impfleistung ist, verglichen mit dem Aufklärungsaufwand, minimal. Zudem werden die Ärzte durch regelrechten Beschuss mit zahlreichen »kostenlosen« Zeitschriften, die von der pharmazeutischen Industrie herausgegeben werden, in einer bestimmten Richtung »informiert«.

Auch ärztliche Fortbildungen zum Thema Impfungen sind durchgehend von Impfstoffherstellern gesponsert. So wird die eigentliche Position des Haus- oder Kinderarztes unterminiert, in erster Linie die Interessen seiner Patienten wahrzunehmen. Er wird genötigt, abstrakte gesellschaftliche Interessen zu vertreten und damit selbstredend auch die geschäftlichen Interessen der Impfstoffhersteller. Oberstes Ziel des Arztes sollte es jedoch sein und bleiben, den Patienten in erster Linie nicht zu schaden (»Primurn nil nocere«). Und da steht er bei prophylaktischen Maßnahmen an gesunden Menschen in besonderer Verantwortung.

Wie hart die Auseinandersetzung zwischen Impfbefürwortern und -skeptikern inzwischen geworden ist, zeigen Veröffentlichungen, in denen versucht wird, den Eltern die Verantwortung für ihre Kinder zu entziehen. So war beispielsweise in der Zeitschrift Kinderärztliche Praxis zu lesen, Eltern und Ärzte hätten »so gut wie keinen Ermessensanspruch mehr bezüglich Impfbejahung bzw. Impfverweigerung«, sondern Kinder hätten Anspruch auf Impfungen, und dieser Anspruch sei zu erfüllen (Voss 1998). Zitiert wird hier unter anderem Artikel 6 Absatz 1 des Grundgesetzes, in dem die Familie unter den Schutz der staatlichen Ordnung gestellt wird. Von wissenschaftlicher Seite aus gehen Empfehlungen sogar dahin, den Schuleintritt an eine ausreichende »Durchimpfung« zu koppeln (Markuzzi 1997).

Ärzte, die Impfungen nicht ausdrücklich empfehlen, werden ebenfalls unter Druck gesetzt: »Impfende und nichtimpfende Ärzte bewegen sich hinsichtlich der notwendigen Durchführung von Impfungen nicht mehr im rechtsfreien Raum …Ärzte, die die ihnen anvertrauten Kinder nicht impfen wollen, müssen mehr als >gute< Gründe zum Beispiel auch vor Gericht vorbringen können, wenn es durch eigentlich vermeidbare >Kinder

Die Urheber solcher Äußerungen haben offensichtlich vergessen, dass es sich bei einer Impfung um einen Eingriff an einem gesunden Kind handelt und dass sich die Eltern nach gründlicher Aufklärung sehr wohl überlegen müssen und dann selbst entscheiden dürfen, ob sie einem solchen Eingriff – mit letztlich unklaren, weil nicht genügend erforschten Risiken – zustimmen oder nicht. Im unglücklichen Fall einer schweren Impfnebenwirkung wird ihr Kind ja den besagten abstrakten epidemiologischen Zielen, wie zum Beispiel der »Ausrottung« von Krankheiten, gewissermaßen geopfert. Soll denn etwa der Staat entscheiden, ob ein Kind eher dem Risiko einer Masernerkrankung oder eines »autistischen Syndroms« als möglicher Impfnebenwirkung ausgesetzt wird bzw. einer Hib-Meningitis oder dem Diabetes als möglicher Hib-Impfnebenwirkung?

Die Selbstbestimmung über die Gesundheit ist folgerichtig eines der Ziele der WHO, die damit diesem Spannungsfeld zwischen Staat und Individuum Rechnung trägt: »Die Menschen sind zu befähigen, dass sie die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen können.« (WHO 1988) In diesem Sinne kontraproduktiv sind Äußerungen, die die Eltern unter Druck setzen, und Veröffentlichungen, in denen einseitig und auf beängstigende Weise informiert wird. Interessant ist übrigens in dem Zusammenhang, dass Ärzte – also Leute, die es wissen müssten – zu den am wenigsten geimpften Bevölkerungsgruppen gehören (Kinnersley 1990, Llewellyn 1994).

Albonico spricht bezüglich der Impfentscheidung zu Recht von der »Wichtigkeit einer individuellen, freiheitlichen, umfassenden, auf den Patienten abgestimmten Information mit der Möglichkeit des Gedankenaustauschs. Und darin sind wir heute massiv bedroht.« (Albonico 1998a) Er meint weiter: »Wir müssen anerkennen, dass in der Impffrage ganz große Unsicherheiten, Ungewissheiten leben, ich würde sagen, leben müssen. Das liegt im Wesen der Impfung selbst begründet. Angesichts dieser Unsicherheiten ist für mich in meiner Beratungstätigkeit der Eltern nicht nur entscheidend, welchen inhaltlichen Impfentscheid wir treffen, sondern mindestens ebenso entscheidend, auf welche Weise wir zu diesem Entscheid gelangen.«